Das Wichtigste in Kürze
- Due Diligence heißt: Der Käufer prüft Deine Firma, bevor er unterschreibt.
- In der Zeitarbeit schaut er besonders auf AÜG-Erlaubnis, Prüfbescheide von DRV und Bundesagentur, Equal Pay und Höchstüberlassungsdauer.
- Überraschungen in der Prüfung kosten fast immer Geld oder den ganzen Deal.
- Wer vorher aufräumt, verhandelt aus einer starken Position.
Irgendwann im Verkaufsprozess kommt der Moment, an dem es ernst wird. Der Käufer hat Interesse, die Vertraulichkeitsvereinbarung ist unterschrieben, die ersten Gespräche waren gut. Und dann kommt die Liste. Die Due Diligence.
Ich erlebe immer wieder, dass Inhaber an dieser Stelle unterschätzen, wie genau hingeschaut wird. Das ist kein Misstrauen. Der Käufer möchte wissen, was er kauft. Und in der Zeitarbeit gibt es ein paar Stellen, an denen es besonders teuer werden kann.
Was ist eine Due Diligence überhaupt?
Due Diligence heißt übersetzt so viel wie gebotene Sorgfalt. Der Käufer prüft mit seinen Beratern Deine Zahlen, Verträge, Risiken und Pflichten. Meistens in einem digitalen Datenraum. Je nach Größe dauert das ein paar Wochen. Bei einem GmbH-Mantel geht es schneller, bei einem laufenden Betrieb mit vielen Kunden länger.
1. Die AÜG-Erlaubnis
Das ist der Kern. Ohne Erlaubnis ist eine Zeitarbeitsfirma nichts wert. Geprüft wird:
- Erlaubnisbescheid, befristet oder unbefristet, und ob Verlängerungen sauber gelaufen sind
- Auflagen im Bescheid und ob sie erfüllt sind
- Prüfberichte der Bundesagentur für Arbeit und ob Beanstandungen erledigt sind
- Bei ruhenden Gesellschaften: wann zuletzt überlassen wurde
Eine unbefristete Erlaubnis ist für Käufer mehr wert, weil das Verlängerungsrisiko wegfällt. Wie stark sich das auswirkt, siehst Du im Firmenwert-Rechner.
2. Sozialversicherung und DRV
Die Betriebsprüfung der Deutschen Rentenversicherung ist in der Zeitarbeit ein großes Thema. Ein Käufer möchte die letzten Prüfbescheide sehen. Offene Nachforderungen oder laufende Verfahren sind ein Warnsignal. Dazu kommen die Unbedenklichkeitsbescheinigungen von Krankenkassen und Berufsgenossenschaft.
3. Equal Pay, Tarif und Höchstüberlassungsdauer
Hier stecken die Risiken, die man nicht auf den ersten Blick sieht. Wird der Tarifvertrag richtig angewendet? Werden Branchenzuschläge korrekt gezahlt? Gibt es Einsätze, bei denen Equal Pay greift? Wird die Höchstüberlassungsdauer eingehalten? Ein guter Käufer zieht hier Stichproben aus der Lohnabrechnung. Fehler können Nachzahlungen nach sich ziehen, und zwar für die Vergangenheit.
4. Kunden und Verträge
- Umsatz pro Kunde und wie stark Du vom größten Kunden abhängst
- Schriftliche Rahmen- und Überlassungsverträge
- Kündigungsfristen und Klauseln zum Kontrollwechsel
- Entwicklung der Stundenzahlen und Verrechnungssätze
Ein Kunde mit mehr als 40 Prozent vom Umsatz ist für viele Käufer ein Risiko, das sie im Preis abziehen. Das ist kein Drama, aber Du solltest es wissen, bevor der Käufer es Dir sagt.
5. Personal und Führung
Wer macht die Disposition? Wer hat die Kundenbeziehungen? Läuft der Laden auch ohne Dich? Käufer schauen auf die interne Mannschaft, auf Fluktuation bei den Externen und auf Schlüsselpersonen. Wenn alles an Dir hängt, kauft der Käufer Dich und nicht die Firma. Das drückt den Preis oder führt zu einem Earn-out.
6. Zahlen und Steuern
- Jahresabschlüsse der letzten drei Jahre
- Aktuelle BWA mit Summen- und Saldenliste
- Steuerbescheide und Ergebnisse von Betriebsprüfungen
- Verbindlichkeiten, Gesellschafterdarlehen, Factoring
- Corona-Hilfen und Schlussabrechnungen
7. Software, Daten und Datenschutz
Oft vergessen, aber immer öfter gefragt: Mit welcher Software arbeitest Du? Gehören die Daten Dir oder hängen sie an einem Vertrag, der beim Verkauf ausläuft? Sind Bewerber- und Mitarbeiterdaten sauber nach Datenschutz verarbeitet? Gibt es Auftragsverarbeitungsverträge mit Deinen Dienstleistern? Ein Käufer möchte wissen, ob er den Betrieb am Tag nach dem Notar einfach weiterführen kann. Wenn Deine ganze Disposition in Excel-Listen auf einem privaten Laptop steckt, wird er nervös.
Dazu kommen Mietverträge, Leasing für Fahrzeuge und Versicherungen. Kleinkram, aber in der Summe wichtig. Und alles, was einen Kontrollwechsel nicht überlebt, sollte vorher auf dem Tisch liegen.
So bereitest Du Dich vor
Die gute Nachricht: Das meiste davon kannst Du vorher klären. Leg einen digitalen Ordner an und arbeite die Checkliste mit 25 Unterlagen ab. Mach den Verkaufsreife-Check, dann siehst Du, wo Deine größten Baustellen liegen. Und wenn Du eine ruhende GmbH hast, schau Dir die Sell-Stopper auf der Seite GmbH-Mantel verkaufen an.
Als Käufer drehst Du den Spieß um: Diese Punkte sind Deine Prüfliste. Auf Zeitarbeitsfirma kaufen kannst Du Dein Suchprofil hinterlegen. Und mit Kaufen oder selbst beantragen rechnest Du durch, ob sich ein Kauf überhaupt lohnt.
Ganz wichtig: Die Due Diligence ersetzt keine Rechts- und Steuerberatung. Hol Dir für die Prüfung Profis dazu. Ich bringe Dir gern welche mit.
Kostenlose Werkzeuge für Deinen nächsten Schritt: der Firmenwert-Rechner, der Verkaufsreife-Check, die Checkliste mit 25 Unterlagen, der Rechner Kaufen oder selbst beantragen, die Seite für Käufer Zeitarbeitsfirma kaufen und für ruhende Gesellschaften GmbH-Mantel verkaufen statt liquidieren.
Häufige Fragen
Wie lange dauert eine Due Diligence bei einer Zeitarbeitsfirma?
Das hängt von Größe und Vorbereitung ab. Bei einem GmbH-Mantel oft nur wenige Wochen, bei einem laufenden Betrieb eher länger. Gute Unterlagen verkürzen die Prüfung spürbar.
Welche Unterlagen will ein Käufer zuerst sehen?
Meist den Erlaubnisbescheid, die letzten Jahresabschlüsse, eine aktuelle BWA, die Kundenliste mit Umsatzanteilen und die Prüfbescheide von DRV und Bundesagentur für Arbeit.
Was passiert, wenn in der Due Diligence Probleme auftauchen?
Meistens wird nachverhandelt. Das kann ein niedrigerer Preis sein, ein Einbehalt, eine Garantie im Kaufvertrag oder im schlimmsten Fall der Abbruch.
Brauche ich als Verkäufer einen Datenraum?
Ein digitaler Ordner mit klarer Struktur reicht oft. Wichtig ist, dass Du die Unterlagen erst nach Vertraulichkeitsvereinbarung freigibst.
Lass uns sprechen
Du möchtest Deine Zeitarbeitsfirma verkaufen oder beschäftigst Dich mit einem Kauf? Dann lass uns mal gucken, wo Du stehst. Vertraulich und ohne Verpflichtung. Alle Infos findest Du unter Unternehmensverkauf in der Zeitarbeit.
