World Employment Confederation: Was der WEC für Zeitarbeit bedeutet – Liebe Zeitarbeit

World Employment Confederation im Fokus: Bettina Schaller und Martin Klingen über Toronto, Rom 2027 und was der WEC für deutsche Personaldienstleister leistet.

Das Wichtigste in Kürze

Warum die World Employment Confederation für deutsche Zeitarbeitsfirmen relevant ist

In Episode 857 des Podcasts „Liebe Zeitarbeit” spricht Daniel Müller mit zwei Schwergewichten der internationalen Verbandsarbeit: Bettina Schaller, Präsidentin der World Employment Confederation, und Martin Klingen, Chief Corporate Affairs Officer der Gi Group und Vorsitzender des Global Public Affairs Networks der WEC. Thema: die Weltkonferenz 2026 in Toronto, der Ausblick auf Rom 2027 und die Frage, warum Du Dich als Personaldienstleister aus DACH für einen Weltverband interessieren solltest, selbst wenn Du nur national aktiv bist. In über 900 Podcast-Folgen ist das die erste, die den WEC ausführlich beleuchtet.

Was ist die World Employment Confederation eigentlich?

Bettina Schaller bringt es auf den Punkt: „Der WEC ist der GVP auf globaler Ebene.” Der Weltverband vertritt private Arbeitsmarktdienstleister gegenüber internationalen Organisationen wie der ILO, der OECD und der EU-Kommission. Die Mitgliederstruktur ist doppelt aufgebaut: 45 nationale Arbeitgeberverbände von Norwegen bis Südafrika, von Brasilien bis Australien – aus dem DACH-Raum sind der GVP, Österreichs Personaldienstleister und Swiss Staffing dabei. Dazu kommen sechs weltweit tätige Corporate Members: Adecco, ManPower, Randstad, Iss Staffing, Enigma aus China und die Gi Group. Ergänzt wird das um Regional Corporate Members wie House of HR und – seit 2025 – die Dekra.

Der WEC steht ausdrücklich für mehr als klassische Arbeitnehmerüberlassung. Recruitment, Permanent Placement, Outsourcing, Outplacement, Reskilling und Talent Mobility gehören genauso dazu. Wer Mitglied ist, verpflichtet sich zu den höchsten ethischen und rechtlichen Standards – ein Qualitätsversprechen, das der WEC gegenüber Politik und Öffentlichkeit vertritt.

Was bringt die WEC-Mitgliedschaft konkret?

Martin Klingen nennt zwei zentrale Mehrwerte: Interessenvertretung und Netzwerk. „Sehr viel von dem, was uns in den letzten Jahren heimgesucht hat, kommt aus Brüssel”, sagt Klingen und verweist auf die Entgelttransparenz-Richtlinie, die Plattformarbeitsrichtlinie und die AÜ-Richtlinie. Wer erst reagiert, wenn eine EU-Richtlinie in nationales Recht umgesetzt wird, kommt zu spät. Die WEC setzt deshalb genau dort an, wo die Regulierung entsteht – in Brüssel, Genf und Paris.

In Toronto hatten die Mitglieder eine private Sitzung mit Mario Nava, dem Direktor der DG Employment der Europäischen Kommission. Martin Klingen war einer der Stimmen, die deutsche Positionen direkt platzieren konnten. Das ist Public Affairs in ihrer wirksamsten Form: frühzeitig, direkt und mit klarem Branchenmandat.

Der zweite Nutzen ist der Blick über den Tellerrand. „Wir kochen häufig nur in der eigenen Küche”, so Klingen. Die Weltkonferenz zeigt Best Practices aus Ländern, in denen die Branche stärker wächst als in Deutschland – Indien, China, Teile Lateinamerikas.

Rückblick Toronto: Was Bettina Schaller und Martin Klingen mitgenommen haben

Für Bettina Schaller war Toronto vor allem eine Bestätigung. Sie verbringt jedes Jahr einen Monat in Indien und sieht dort einen der wichtigsten Arbeitsmärkte der Zukunft: „Indien wird in ein paar Jahren die drittgrößte Wirtschaftsmacht sein.” Die Konferenz habe gezeigt, wie stark die Branche in Ländern wächst, die in Deutschland kaum auf dem Radar sind. Zweiter Punkt: KI. „Die Human Side, das sind wir.” Der WEC positioniert die Branche gezielt als menschliche Komponente in einer zunehmend automatisierten Arbeitswelt.

Martin Klingen nimmt vor allem Energie mit. „Ich fühlte mich wie ein Schnelllade-E-Auto.” Beeindruckt hat ihn die wirtschaftsfreundliche und entbürokratisierende Haltung der beiden Minister aus Ontario: „Da könnte sich mancher deutscher Politiker eine Scheibe abschneiden.” Der Satz, der ihm besonders geblieben ist: „What brought us here won’t take us there.” Die Konzepte von gestern werden die Branche nicht in die Zukunft tragen.

Ein starkes Signal: Der GVP war erstmals mit einer eigenen Delegation vor Ort, angeführt von Christian Baumann als Präsident und Florian Swyter als Hauptgeschäftsführer.

Ausblick Rom 2027: 60 Jahre Weltverband

In der zweiten Aprilwoche 2027 geht es nach Rom – gemeinsam mit dem italienischen Verband Assolavoro. Anlass ist das 60-jährige Jubiläum der World Employment Confederation. Die Reise ist für deutsche Personaldienstleister deutlich einfacher als Kapstadt oder Toronto der Vorjahre. Daniel Müller kündigt an, im April 2027 eine Live-Folge „Liebe Zeitarbeit” direkt aus Rom zu produzieren.

Für die Teilnahme brauchst Du keine WEC-Mitgliedschaft. Du meldest Dich einfach über den offiziellen Anmelde-Link an. Bettina Schaller lädt ausdrücklich auch mittelständische Personaldienstleister aus DACH ein, sich das Rahmenprogramm über zwei bis drei Tage anzusehen. Netzwerken, Impulse und Workshops zu Zukunftsthemen stehen im Zentrum.

Die drei Zukunftsthemen der Branche laut WEC

Bettina Schaller nennt drei politische Schwerpunkte für die Strategiephase 2027 bis 2029:

KI und Technologie. Wer glaubt, mit den Modellen von vor zwei Jahren noch in fünf Jahren erfolgreich zu sein, wird ausgebremst. „In drei bis fünf Jahren ist KI vielleicht schon eine alte Sache”, so Schaller.

Skills-Gap und Reskilling. Ganze Branchen transformieren sich – die deutsche Automobilindustrie ist das offensichtlichste Beispiel. Personaldienstleister sind prädestiniert, Reskilling und Upskilling als Dienstleistung anzubieten.

Internationale Mobilität. Hier trifft der WEC den Nerv der deutschen Branche. Paragraph 40 AÜG verbietet Arbeitnehmerüberlassung von Drittstaatsangehörigen weitgehend. Martin Klingen ist deutlich: „Das ist ein Aspekt, den wir dringend überwinden müssen.” Der WEC baut international ethische, gut regulierte Korridore auf, um Fachkräfte dort einzusetzen, wo sie gebraucht werden.

Der klare Appell beider Gäste an die Branche: „Loud and Proud” und „More than Work”. Sei laut, sei stolz auf das, was Du täglich leistest – und begreife Dich als Problemlöser Deiner Kunden, nicht nur als Personalvermittler.

Häufige Fragen zur World Employment Confederation

Was ist die World Employment Confederation (WEC)?

Die World Employment Confederation ist der globale Dachverband der privaten Arbeitsmarktdienstleister mit Sitz in Brüssel. Sie vertritt 45 nationale Arbeitgeberverbände und sechs weltweit tätige Corporate Members gegenüber EU-Kommission, ILO und OECD. Der Verband existiert seit 1967 und hieß früher CIETT.

Wer ist Präsidentin der WEC?

Bettina Schaller ist seit sechs Jahren Präsidentin der World Employment Confederation. Sie ist Politikwissenschaftlerin, arbeitet seit rund 17 Jahren in der Branche und ist bei einem der großen Schweizer Personaldienstleistungsunternehmen als Head Government Affairs verantwortlich. Basis: Zürich.

Ist der GVP Mitglied der WEC?

Ja, der Gesamtverband der Personaldienstleister (GVP) ist Mitglied der WEC. Neben dem GVP sind aus dem DACH-Raum auch Österreichs Personaldienstleister und Swiss Staffing vertreten. Insgesamt zählt der WEC 45 nationale Verbände weltweit.

Wann und wo findet die WEC-Weltkonferenz 2027 statt?

Die WEC-Weltkonferenz 2027 findet in der zweiten Aprilwoche in Rom statt, gemeinsam mit dem italienischen Verband Assolavoro. Es ist die Jubiläumsausgabe zum 60-jährigen Bestehen des Weltverbandes. Die Teilnahme ist auch ohne Verbandsmitgliedschaft über den offiziellen Anmelde-Link möglich.

Kann ein deutscher Personaldienstleister ohne internationale Aktivität WEC-Mitglied werden?

Direkte Corporate-Mitgliedschaft setzt aktuell voraus, dass Du in mehreren Nationalverbänden Mitglied bist und in mehr als einem Land operierst. Bettina Schaller hat aber angekündigt, dass die Satzung im Rahmen der laufenden Transformation überarbeitet wird. An der Konferenz teilnehmen kannst Du unabhängig davon.

Fazit: Ohne internationale Perspektive keine Zukunft

Die Botschaft aus Toronto ist klar: Wer die Zukunft der Personaldienstleistung in Deutschland gestalten will, muss den Blick heben. Regulierung entsteht heute in Brüssel, Skills-Themen werden global gedacht und internationale Fachkräftemobilität wird das Wachstumsfeld der nächsten Jahre. Der WEC ist die Plattform, um bei diesen Themen mit am Tisch zu sitzen. Meine Empfehlung: Blockiere Dir die zweite Aprilwoche 2027 im Kalender, buche Rom und nutze die Gelegenheit, das internationale Netzwerk der Branche persönlich kennenzulernen. Und im Alltag: Werde lauter, werde sichtbarer, werde zum Problemlöser Deiner Kunden – jenseits klassischer Arbeitnehmerüberlassung.

Die ganze Folge hören

Die komplette Episode 857 mit Bettina Schaller und Martin Klingen findest Du als Videoversion auf YouTube sowie als Audio-Podcast bei Apple Podcasts, Spotify, Amazon Music und Deezer. Suche einfach nach „Liebe Zeitarbeit” oder gehe direkt auf liebezeitarbeit.com.

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