Bau kein Haus auf gemietetem Grund: Messe-Networking mit Plan – Liebe Zeitarbeit

Vierzig QR-Codes, null Erinnerung: Warum Messe-Networking meist verpufft und wie ich es mit Vorbereitung, KI-Laufplan, WhatsApp, Selfie und zwanzig Minuten am Abend anders mache.

Das Wichtigste in Kürze

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Ich habe auf der Zukunft Personal Europe in Köln jemanden getroffen, der richtig stolz war. Vierzig QR-Codes gescannt, sagte er. Vierzig neue Kontakte an einem Tag. Zwei Wochen später habe ich ihn gefragt, mit wem von den vierzig er eigentlich gesprochen hat. Er wusste es bei keinem einzigen mehr.

Und ich sag ganz ehrlich: Das war bei mir früher exakt genauso. Ich bin von Halle zu Halle gelaufen, habe gescannt, genickt, weitergelaufen. Abends war das Handy voll und der Kopf leer. Heute mache ich das komplett anders, und der Unterschied ist nicht Fleiß. Der Unterschied ist ein Satz, den ich mir irgendwann aufgeschrieben habe: Bau kein Haus auf gemietetem Grund.

Ich habe rund 21.000 Follower auf LinkedIn. Klingt nach viel, ist auch schön. Aber mir gehört davon nichts. Kein einziger Kontakt. Der Grund, auf dem das alles steht, gehört jemand anderem. So, jetzt zur Sache. Das hier ist mein kompletter Messe-Plan. Genau so mache ich es, und genau so fahre ich am 22. Oktober auf die StaffingPro nach Wiesbaden.

Die Messe ist gewonnen, bevor Du losfährst

Die meisten fahren auf eine Messe und gucken dann mal. Das ist die teuerste Variante, die es gibt. Zwei Tage, Anreise, Hotel, Ausfall im Tagesgeschäft, und dann läuft man durch die Hallen und lässt sich treiben.

Bevor ich losfahre, beantworte ich vier Fragen: Mit welcher Motivation fahre ich da eigentlich hin? Welche Aussteller will ich mir ansehen und warum? Welche fünf Menschen will ich unbedingt getroffen haben? Und was will ich in der Bahn auf dem Rückweg in der Hand haben? Das dauert zwanzig Minuten und verändert die kompletten zwei Tage.

Denn wenn Du weißt, wen Du treffen willst, schreibst Du die Leute vorher an. Ein Satz reicht: Ich bin Mittwoch auf der Messe, hast Du zwischen elf und zwölf zehn Minuten? Die Quote, die Du darauf bekommst, wird Dich überraschen. Auf der Messe selbst antwortet nämlich kaum noch jemand, da ist jeder im Stress.

Der KI-Laufplan, den ich mir ausdrucke

Das hier ist der Teil, den ich am krassesten finde, und deshalb gibt es ihn zum Kopieren. Ich nehme mir die Ausstellerliste von der Messe-Website und den Hallenplan, beides ist öffentlich, kippe das in die KI und lasse mir einen echten Laufplan bauen. Mit Zeiten, mit Wegen, mit Reihenfolge. Hier ist der Prompt. Einfach kopieren, Deine Daten einsetzen, fertig:

Du bist mein Messe-Assistent. Ich besuche am [Datum] die [Name der Messe] in [Ort]. Ich bin von [Uhrzeit] bis [Uhrzeit] vor Ort. Mein Unternehmen ist ein [Personaldienstleister mit X Niederlassungen, Schwerpunkt ...]. Meine Ziele für diesen Tag sind: [Ziel 1], [Ziel 2], [Ziel 3]. Anbei die Ausstellerliste und der Hallenplan. Erstelle mir erstens eine Shortlist von maximal zwölf Ausstellern, die zu meinen Zielen passen, jeweils mit einem Satz, warum der für mich relevant ist. Zweitens einen Laufplan mit Zeitfenstern, sortiert nach Hallen und kurzen Wegen, mit zwei Pufferblöcken für Zufallsbegegnungen und einer Mittagspause. Drittens pro Aussteller zwei Fragen, die ich am Stand stelle, und die eine Frage, die mir zeigt, ob sich ein Folgetermin lohnt. Und viertens einen Satz, mit dem ich ein Gespräch eröffne, ohne wie ein Bittsteller zu klingen. Formatiere das als Tabelle, die ich auf einer Seite ausdrucken kann.

Das Ergebnis drucke ich aus. Auf Papier. Klingt altmodisch, ist aber Gold wert, wenn das Handy bei sechzig Prozent steht und Du in der Halle keinen Empfang hast.

Ein Hinweis, der mir wichtig ist: Ausstellerlisten und Hallenpläne sind öffentlich, da ist alles gut. Aber pack keine Bewerberdaten und keine Mitarbeiterdaten in öffentliche KI-Werkzeuge, das gehört da nicht rein. Und wenn Du so etwas nicht nur für Dich, sondern für Dein ganzes Team aufsetzen willst, schreib mir oder buch Dir einen Termin. Genau das machen wir in den KI-Workshops.

Kopf hoch, Handy weg

Jetzt bist Du da, und hier machen fast alle denselben Fehler. Sie gehen zu zweit oder zu dritt durch die Halle, quatschen die ganze Zeit miteinander und essen zusammen Mittag. Nach zwei Tagen kennen sie sich noch besser als vorher, das war es dann aber auch. Ich sage das ohne Vorwurf, das ist menschlich. Zu zweit ist es bequemer, nur lernst Du so niemanden kennen.

Also geh Teile des Tages allein. Verabrede Dich mit Deinen Kollegen zu festen Zeiten und lauf dazwischen getrennt. Ihr seht doppelt so viel und redet mit dreimal so vielen Leuten.

Und dann das Wichtigste, was gar nichts kostet: Kopf hoch. Ich sehe auf jeder Messe Leute, die mit gesenktem Blick durch die Gänge laufen und aufs Handy gucken. Die laufen an Menschen vorbei, die sie seit Jahren wieder treffen wollten. Guck Dir an, was auf den Ständen passiert, guck den Leuten ins Gesicht, lächel mal. Das ist keine Verkaufstechnik, das ist einfach nur offen sein.

Mein Einstiegssatz am Stand ist übrigens langweilig und funktioniert deshalb: Moin, ich bin Daniel, ich komme aus der Zeitarbeit, erklär mir mal in zwei Sätzen, was Ihr macht. Kein Pitch, keine Visitenkarte im Anschlag. Erst mal zuhören.

Der Abend, der eigentlich gar nicht stattfinden sollte

Wie viel das bringt, habe ich in Köln selbst noch mal gelernt. Am ersten Messetag bin ich morgens in den Bus gestiegen, da stand Steffi Schreiber neben mir. Wir haben kein einziges Wort gewechselt, zwei Menschen im Bus, fertig. Um halb sieben abends, die Messe war schon zu, laufe ich ihr im Parkhaus über den Weg. Sie und zwei Kolleginnen. Diesmal haben wir geredet.

Ich wollte eigentlich nach Hause. Mir taten die Füße weh, ich war durch. Die drei wollten eigentlich zur Abendveranstaltung in den Tanzbrunnen, hatten aber Hunger. Also sind wir essen gegangen, und daraus wurde ein richtig guter Abend.

Am nächsten Tag haben wir uns auf der Messe wieder getroffen, und abends bin ich mit auf die Veranstaltung der Corporate Influencer gegangen. Von der hätte ich sonst nie erfahren, da wäre ich nie hingekommen.

Um zehn war ich zu Hause bei Frau und Kind und hatte drei Kontakte mehr, die ich vorher nicht hatte. Das Ding ist: Das war reiner Zufall. Aber Zufall passiert nur, wenn Du offen dafür bist. Wäre ich im Parkhaus mit gesenktem Kopf ins Auto gestiegen, wäre nichts davon passiert. Sowas geht nur auf Messen, nicht in einem Call und nicht in einem Chat.

Warum ich WhatsApp tausche und nicht LinkedIn

So, jetzt kommt der Teil, der bei mir am meisten verändert hat. Wenn ich jemanden kennenlerne, tausche ich nicht LinkedIn, ich tausche WhatsApp. Warum? Rechne mit mir: Bei 21.000 Followern geht ein weiterer Follower einfach unter, der verschwindet in einer Zahl. Nach ein paar Tagen weiß ich den Namen nicht mehr, nach zwei Wochen ist die Begegnung weg.

Eine Nummer im Handy ist etwas komplett anderes. Da ist ein Chat, da ist ein Bild, da ist ein Zusammenhang. Und ich kann jederzeit schreiben, ohne dass ein Algorithmus dazwischen entscheidet, ob meine Nachricht ankommt.

Ich mache das so: Nummer tauschen, und direkt vor Ort schicke ich meine Kontaktdaten rüber. Als Kontaktkarte, nicht als Text, das dauert zehn Sekunden. Der andere hat mich damit sofort sauber im Adressbuch, mit Firma, mit Foto, mit allem. Und ganz wichtig: Handynummer schlägt E-Mail. Die E-Mail-Adresse ist schön, aber die geht im Postfach unter. Wenn Du nur eins von beidem bekommst, nimm die Nummer.

Mach ein Selfie, immer

Ich mache mit fast jedem, den ich neu kennenlerne, ein Selfie. Das war am Anfang komisch für mich, heute ist es das Wertvollste, was ich von einer Messe mitbringe.

Der erste Grund ist banal: Ich merke mir Gesichter deutlich besser als Namen. Mit Bild bin ich sofort wieder im Thema, auch ein Jahr später. Der zweite: Das Bild kann direkt weiterarbeiten, im Status, in einem LinkedIn-Post, auf Instagram. Ein Foto mit einem echten Menschen schlägt jedes Stockfoto. Der dritte: Es ist ein Geschenk. Ich schicke das Bild direkt rüber, der andere hat auch etwas davon, und die erste Nachricht nach dem Kennenlernen ist keine Anfrage, sondern etwas Nettes.

Und der vierte Grund hat mich selbst überrascht: Ein Bild bleibt. Nachrichten fassen wir irgendwann nicht mehr an, Chats löschen wir, Postings verschwinden. Aber ein gemeinsames Foto löscht keiner, das ist eine Erinnerung. Auf der Zukunft Personal Europe hatte ich am Ende eine Bildergalerie, bei der ich zu jedem Gesicht die Geschichte noch parat hatte. Das kriegst Du mit vierzig QR-Codes nicht hin.

Nimm Visitenkarten mit

Ja, Visitenkarten, im Jahr 2026. Und zwar genau deshalb, weil kaum noch jemand welche dabei hat. Alle scannen nur noch QR-Codes, und dadurch ist die Karte plötzlich wieder etwas Besonderes.

Sie bleibt liegen, auf dem Schreibtisch, in der Jackentasche, im Notizbuch. Zwei Wochen später fällt sie jemandem in die Hände und er denkt: Ach ja, der Daniel. Ein QR-Code denkt nie wieder an Dich. Nimm einen kleinen Stapel mit und schreib hinten drauf, worüber Ihr gesprochen habt. Das macht aus der Karte einen Gesprächsanlass.

Warum das alles zusammenhängt

Jetzt komme ich zurück zu dem Satz von oben. Bau kein Haus auf gemietetem Grund. LinkedIn ist super, ich bin dort jeden Tag und verdanke dieser Plattform viel. Aber es ist gemieteter Grund. Ein Account kann gesperrt werden, ein Algorithmus kann sich ändern, Reichweite kann über Nacht wegbrechen. Das ist kein Schwarzmalen, das habe ich in der Branche schon bei Leuten gesehen, die es wirklich getroffen hat.

Und dann zählt nur eins: Hast Du die Menschen auch außerhalb der Plattform? Namen, Handynummer, E-Mail, ein Gesicht dazu, ein Stichwort, worüber Ihr gesprochen habt. In Deiner eigenen Liste, in Deinem eigenen System. Das ist der eigentliche Grund, warum ich auf Messen so netzwerke, wie ich es netzwerke. Nicht um Visitenkarten zu sammeln, sondern um Beziehungen aufzubauen, die mir gehören.

Wie ich das Netzwerken insgesamt angehe, erzähle ich übrigens auch in diesem Video:

Die zwanzig Minuten, die über alles entscheiden

Der wertvollste Teil einer Messe passiert nicht auf der Messe, er passiert abends. Die meisten fahren nach Hause, sind platt, und machen zwei Wochen später gar nichts mehr. Ich kenne das, ich war da auch.

Mein Ablauf sieht heute so aus: Nach jedem Gespräch spreche ich mir direkt eine Sprachnotiz aufs Handy, dreißig Sekunden. Wer war das, was macht der, was war der Anknüpfungspunkt, was ist der nächste Schritt. Das klingt übertrieben, aber nach dem zwölften Gespräch verschwimmt alles.

Abends im Zug oder im Hotel geht dann WhatsApp raus an jeden, den ich neu kennengelernt habe. Mit dem Selfie, und mit einem Satz, der sich auf unser Gespräch bezieht, kein Textbaustein. Wenn ein Folgetermin Sinn macht, kommt mein Terminlink direkt mit rein. Danach wandern die Kontakte in mein System, alle, nicht nur die heißen. Zwanzig Minuten am Abend. Das ist der Unterschied zwischen einer Messe, die etwas gebracht hat, und einer Messe, die dreitausend Euro gekostet hat.

Die Packliste

Kurz und ohne Romantik. Powerbank, weil zwei Tage Messe jeden Akku fressen und ohne Handy kein Selfie und kein Kontakt entsteht. Bequeme Schuhe, weil Du mehr läufst als Du denkst und Fußschmerzen Dich unfreundlich machen. Ein zweites Hemd im Koffer, weil Messehallen warm sind. Visitenkarten und einen Stift für die Notiz auf der Rückseite. Und Kaugummi, weil Du den ganzen Tag mit Menschen aus nächster Nähe redest. Kleinkram, macht aber den Tag.

Triff mich auf der StaffingPro

Am 22. Oktober bin ich auf der StaffingPro in Wiesbaden, und ich mache es genau so, wie ich es hier beschrieben habe. Mit Laufplan, mit Kamera, mit Visitenkarten in der Jackentasche. Ich halte mir bewusst Zeitfenster frei, um Menschen zu treffen, die ich bisher nur online kenne. Wenn Du da bist, melde Dich: zwanzig Minuten Kaffee, Selfie inklusive.

Wo Du weitermachen kannst

Alles zu Liebe Zeitarbeit, Podcast, Blog und Angeboten findest Du auf liebezeitarbeit.com. Im LZ Kompass habe ich über 220 Dienstleister für unsere Branche kuratiert, von Software über Recruiting bis Finanzierung. Und wenn Du nicht nur lesen, sondern mit anderen Inhabern und Geschäftsführern an genau diesen Themen arbeiten willst, schau Dir den Liebe Zeitarbeit VIP Club an. Da sitzen die Leute, die KI und Sichtbarkeit in ihrem Unternehmen wirklich umsetzen.

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