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Acht Jahre Liebe Zeitarbeit: Wie aus Mut ein Branchen-Sprachrohr wurde

Daniel Müller wird in Episode 876 selbst interviewt: 8 Jahre Liebe Zeitarbeit, 900 Folgen, 266-Kontakte-Regel und ehrliche Learnings zum Netzwerken. Jetzt reinhören.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Liebe Zeitarbeit Podcast ist am 13. August 2018 gestartet – nach 13 bis 15 Anläufen für die erste Folge und zwei Gläsern Wein als Mutmacher.
  • In acht Jahren sind daraus über 900 Episoden, mehr als 254 Gäste und ein Netzwerk von über 1.000 Geschäftsführer-Kontakten im Handy entstanden.
  • Daniels Grundregel beim Netzwerken: Du brauchst heute im B2B im Schnitt 266 Kontakte, bis aus einem Interessenten ein Kunde wird – Kontinuität schlägt Kampagne.
  • Der stärkste Tipp an alle, die Sprachrohr ihrer Branche werden wollen: Erster Schritt vor Perfektion, kleine Ziele, dauerhaft dranbleiben – und raus aus der Komfortzone.

Mal ehrlich: Acht Jahre denselben Podcast machen, über 900 Folgen, zweimal die Woche – das klingt nach Plan, nach Strategie, nach großer Content-Maschine. War es nicht. In Episode 876 dreht Alexander Hölzemer, Experte für zielgerichtete Kommunikation und Bestsellerautor, den Spieß um und interviewt mich selbst. Es geht um die Nacht vor der ersten Folge, um Perfektionismus, um einen Chef, der den Podcast verbieten wollte, um 266 Kontakte im B2B – und um die Frage, warum Netzwerken für mich das zweitwichtigste nach meiner Familie ist. Ich sag ganz ehrlich: Vieles davon habe ich so noch nie erzählt.

Wie der Liebe Zeitarbeit Podcast wirklich entstanden ist

Der 13. August 2018 war der Tag, an dem Liebe Zeitarbeit live ging. Was keiner weiß: Ich bin an diesem Tag stundenlang um einen 2,60-Meter-Tisch in Warendorf gelaufen, bis ich endlich auf Aufnahme gedrückt habe. Erst ein Glas Wein. Dann noch eins. Dann 13 bis 15 Anläufe für Prolog und erste Folge am gleichen Tag.

Vorbereitet hatte ich das Ganze ein halbes Jahr. Mikrofon gekauft, Intro, Outro, Themenplan. Zwei meiner damaligen Mitarbeiter, Kamil und Arthur, haben mich ermutigt: „Daniel, das passt zu Dir, mach das.” Trotzdem fehlte am Ende der Mut – und genau das ist der Punkt, den ich jedem mitgeben will, der mit einem eigenen Format liebäugelt: Die Technik ist nie das Problem. Der Kopf ist das Problem.

„Perfektionismus hält vom Handeln ab.”

Dieser Satz ist in dem Interview gefallen und er beschreibt genau die Falle. Ich wollte von Anfang an nicht schneiden, der Podcast sollte roh und echt sein. Aber bei einem 2- bis 3-Minuten-Prolog, der auf den Punkt sitzen soll, ohne Versprecher, ohne Verhaspler – da zerlegt man sich selbst.

Warum Perfektionismus das größte Hindernis beim Start ist

Perfektion ist eine Illusion. Der eine Zuhörer sagt „das war zu lang”, der nächste „zu kurz”, der dritte „zu locker”, der vierte „zu steif”. Niemand hat die gleiche 100-Prozent-Vorstellung wie Du selbst. Und genau deshalb kommt niemand ins Handeln, der auf perfekt wartet.

Meine größte Sorge am Anfang war nicht die Technik, sondern das Thema. Zeitarbeit ist wie Elektroauto – jeder hat eine Meinung, meist keine positive. Ich hatte Angst vor Sätzen wie „Scheiß Zeitarbeit, Sklaventreiber, geh weg”. Vor Kolleginnen, dem Chef, der Familie. Vor dem Shitstorm, den es nie gab.

Was tatsächlich kam, war viel schlimmer: nichts. Wochenlang nichts. 10, 15, 20 Klicks pro Folge. Kein Kommentar, kein Feedback, keine Kritik, kein Lob. Die Plattform meines Hosters zeigte Zahlen, aber keine Menschen. Und genau an diesem Punkt scheitern 90 Prozent aller Podcasts in der Zeitarbeit. Nicht am Start – am Durchhalten in der stillen Phase.

Vom Mitarbeiter zum Sprachrohr der Zeitarbeit – ohne Masterplan

Machen wir uns nichts vor: Ich hatte 2018 keinen Plan, Sprachrohr der Branche zu werden. Ich wollte Infos teilen, das Image der Zeitarbeit verbessern, Fußstapfen hinterlassen. Mehr nicht. Die Positionierung ist mit der Zeit gewachsen – durch Hörerfeedback, durch den ersten Interviewgast Sven Lorenz, durch Menschen wie Alexander Hölzemer, die sich damals aus der Community gemeldet haben.

Daraus ist etwas entstanden, das ich selbst erst spät verstanden habe: Reichweite ist Netzwerk. Und Netzwerk ist Wert. Heute habe ich über 1.000 Geschäftsführer-Handynummern im Telefon, ich kenne die meisten Inhaber der über 300 Dienstleister, die im Liebe Zeitarbeit Compass eingetragen sind. Das baut sich nicht in sechs Monaten auf. Das sind acht Jahre Kontinuität – zweimal die Woche eine Folge, Woche für Woche.

Und ja, das hat auch gekostet. Ich bin 2022 fristlos gekündigt worden, auch wegen des Podcasts. Mein damaliger Chef hat mich mehrfach ins Büro zitiert mit dem Satz: „Herr Müller, sie haben einen Podcast.” Beim ersten Mal habe ich überlegt aufzuhören. Beim zweiten Mal war die Entscheidung längst gefallen. Kontinuität und Zuverlässigkeit sind zwei meiner Grundwerte – wenn ich den Podcast fallen gelassen hätte, hätte ich mich selbst verkauft.

Netzwerken in der Zeitarbeit: Die 266-Kontakte-Regel

Jetzt kommt der Punkt, den die meisten Personaldienstleister unterschätzen. Im B2B brauchst Du heute im Schnitt 266 Kontakte, bis aus einem Interessenten ein Kunde wird. Nicht 5, nicht 12. 266. Die Zahl ist nicht meine, die ist errechnet. Und sie erklärt, warum sporadisches Vertrieblermachen nicht funktioniert.

Was aus meiner Sicht auf Branchenevents – ob Steffing Probe, Tag der Personaldienstleister oder GVP-Veranstaltungen – wirklich funktioniert:

  • Geh nicht mit dem Kollegen hin, mit dem Du eh jeden Tag quatschst. Trenn Dich bewusst.
  • Setz Dich nach der Pause auf einen anderen Platz. Immer.
  • Stell Dich mit Deinem Getränk zu jemandem, den Du nicht kennst. „Bist Du auch in der Zeitarbeit?” reicht als Eisbrecher.
  • Vergiss den QR-Code. Scann den anderen nicht ab, sondern leg ihn selbst in Dein Handy an – mit Foto, Stichwort, Kontext. Sonst weißt Du in drei Wochen nicht mehr, wer das war.
  • Geh wegen der Menschen hin, nicht wegen der Vorträge. Die Vorträge sind der Vorwand, das Netzwerk ist das Produkt.

Und jetzt der Punkt, den viele hassen werden: Du musst Dich wirklich für Menschen interessieren. Nicht performen, nicht pitchen, nicht sammeln. Zuhören. Nach 15 Minuten weiß ich meistens, wo ich jemanden unterstützen kann – oder wen aus meinem Netzwerk ich ihm vorstellen sollte.

Was ich jemandem rate, der Sprachrohr seiner Branche werden will

Ich habe in den letzten Jahren rund 15 Podcasts in der Branche mit auf den Weg gebracht – gecoacht, beraten, Mut gemacht. Die Fragen sind immer die gleichen. Deshalb hier die ehrlichste Kurzfassung von acht Jahren Lernkurve:

Erstens: Du musst das Thema wirklich lieben. Nicht mögen, nicht interessant finden – lieben. Sonst hältst Du die stille Phase nicht durch.

Zweitens: Dein Kanal, Deine Regeln. Wenn die Community Dir dreimal die Woche posten vorschreibt, aber Du das nicht leisten kannst, mach einmal die Woche. Hauptsache kontinuierlich.

Drittens: Kleine Ziele, kleine Schritte. Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt – und die meisten Menschen scheitern, weil sie den ganzen Berg sehen und nicht die nächste Stufe.

Viertens: Hol Dir jemanden an die Seite, der Dir in den Hintern tritt. Ich hatte 2018 keinen Coach, kein KI-Tool, kein Vorbild in der Branche. Hätte ich jemanden gehabt, wäre ich zwei Jahre schneller gewesen. Leben beginnt außerhalb der Komfortzone – aber dahin musst Du Dich meistens treiben lassen, selbst schaffen das die wenigsten.

Häufige Fragen zum Liebe Zeitarbeit Podcast

Seit wann gibt es den Liebe Zeitarbeit Podcast?

Der Liebe Zeitarbeit Podcast ist am 13. August 2018 gestartet. In acht Jahren sind über 900 Episoden mit mehr als 254 Gästen entstanden – zweimal pro Woche erscheint eine neue Folge. Das Ziel von Daniel Müller: das Image der Zeitarbeit und Personaldienstleistung in Deutschland sichtbar und ehrlich zu verbessern.

Wie viele Kontakte brauche ich im B2B-Vertrieb der Personaldienstleistung?

Nach aktuellen Zahlen braucht es im B2B rund 266 Kontaktpunkte, bis aus einem Interessenten ein Kunde wird. Das heißt für Personaldienstleister: Sporadische Kaltakquise reicht nicht. Du musst Dein Netzwerk langfristig und kontinuierlich pflegen – über LinkedIn, Branchenevents, Podcast-Interaktion und persönliche Treffen.

Wie fange ich als Personaldienstleister mit einem eigenen Podcast an?

Starte mit minimalem Equipment, einem klaren Thema und dem ersten Schritt. Du brauchst keinen perfekten Prolog, kein profi-geschnittenes Intro und kein großes Studio. Entscheidend sind Kontinuität, Hingabe zum Thema und ein ehrliches Format. Hol Dir am besten jemanden dazu, der schon einen Podcast gemacht hat – das spart Dir ein bis zwei Jahre Lernkurve.

Wie netzwerke ich sinnvoll auf Branchenevents in der Zeitarbeit?

Geh mit der Haltung hin, neue Menschen kennenzulernen, nicht Visitenkarten zu sammeln. Setz Dich nach jeder Pause an einen neuen Platz, sprich bewusst Fremde an, speichere Kontakte mit Foto und Stichwort selbst in Dein Handy ein. Interessiere Dich ehrlich – aus 15 Minuten echtem Gespräch entsteht mehr als aus 50 QR-Code-Scans.

Lohnt sich ein Podcast für die Personaldienstleistungsbranche?

Ja – gerade weil es in der Zeitarbeit auffallend wenige gute Podcasts gibt. Du baust Expertenstatus, Netzwerk und Vertrauen in einem Format auf. Das Invest ist überschaubar (Mikrofon und Zeit), die Hebelwirkung ist groß: Reichweite in LinkedIn, Google und auf Branchenevents multipliziert sich gegenseitig.

Fazit

Acht Jahre Liebe Zeitarbeit sind nicht die Geschichte eines großen Plans, sondern die Geschichte vieler kleiner Entscheidungen gegen den Perfektionismus und für die Kontinuität. Zwei Gläser Wein, 13 Anläufe, ein Chef, der aufhören wollte, und die klare Haltung: Das ziehst Du jetzt durch. Wenn Du selbst darüber nachdenkst, Sprachrohr Deiner Nische zu werden – ob in der Personaldienstleistung oder woanders – dann nimm diesen einen Satz mit: Nicht die Perfektion macht Dich sichtbar. Die Wiederholung macht Dich sichtbar. Und das Netzwerk, das daraus entsteht, ist unbezahlbar.

Die ganze Folge hören

Episode 876 gibt es als Video auf YouTube (siehe oben) sowie als Audio-Podcast bei Apple Podcasts, Spotify, Amazon Music und Deezer. Ein großes Dankeschön an Alexander Hölzemer, der mich in dieser Folge aus der Reserve gelockt hat – und an alle, die seit acht Jahren dranbleiben.

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